Ein einziger Schluck genügt – eigentlich reicht es schon, die Nase ans Glas zu führen –, um sich direkt auf einen Berggipfel versetzt zu fühlen, umgeben von klarer Luft und dem Duft der Felsen. Die Rede ist vom Südtirol DOC Sauvignon Penon-Kofl der Kellerei Kurtatsch, einem erfrischenden und zugleich alles andere als gewöhnlichen Wein. Wir befinden uns in Kurtatsch, im südlichen Teil Südtirols. Dieser Wein entsteht auf einem extremen Fleckchen Erde, wo senkrechte Felswände die Reben schützen und das gleißende Licht reflektieren. Der Name Penon-Kofl verweist auf den Bergweiler und den Felsen – „Kofl“ im lokalen Dialekt –, in dem die Reben ihre Wurzeln verankern. In diesem Gebiet bewirtschaften Schweizer und Tiroler Bauern seit Jahrhunderten die steilsten, der Berglandschaft mit enormer Anstrengung abgerungenen Terrassen. Der Boden ist hier ein Mosaik aus Kalk und Ton, umspielt von nachmittäglichen Winden, die von den Alpengipfeln herabziehen. Die starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht ermöglichen es den Trauben, eine außergewöhnliche Aromatik und eine prägnante Säure zu entwickeln. Die Kellerei Kurtatsch bewirtschaftet diese Weinberge in Höhenlagen zwischen 500 und 700 Metern, nahe der Höhengrenze für den Anbau von Sauvignon. Die Lese erfolgt ausschließlich von Hand, wobei nur vollkommen reife Trauben ausgewählt werden. Im Keller steht die Ausdruckskraft des Terroirs im Mittelpunkt. Die Gärung findet bei kontrollierter Temperatur in großen französischen Eichenfässern statt, gefolgt von einer rund zwölfmonatigen Reifung auf der Hefe. Dieser Ausbau im großen Holzfass ist das eigentliche Geheimnis: Er verleiht Rundheit und Struktur, ohne die aromatische Reinheit der Frucht auch nur im Geringsten zu beeinträchtigen. Leuchtendes Strohgelb mit brillanten grünlichen Reflexen. In der Nase präsentiert er sich überraschend vielschichtig. Statt der üblichen aggressiven Tomatenblattnote zeigt sich ein raffiniertes Bouquet von Holunderblüten, weißem Pfirsich, Salbei und einer deutlichen mineralischen Spur, die an Feuerstein erinnert. Am Gaumen ist der Auftakt geradlinig und vertikal, mit einer saftigen Frische, die den Speichelfluss unmittelbar anregt. Der Wein ist vollmundig, beinahe körperlich spürbar, und mündet in ein würzig-mineralisches, klares und außergewöhnlich lang anhaltendes Finale. Als regionale Kombination empfiehlt er sich zu traditionellen Käseknödeln, deren Reichhaltigkeit durch die Säure des Weins ausgeglichen wird. Er passt jedoch ebenso gut zu Fischgerichten wie klassischem Wolfsbarsch in Salzkruste oder zu weißem Spargel.